Robert Kauffeld

Wandern im Wittekindsberg
Den Menschen die schöne Natur näherbringen

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal war noch längst nicht errichtet, als die Menschen in Porta Westfalica, in Minden und der näheren und weiteren Umgebung erkannten, dass ihnen Weser- und Wiehengebirge eine wunderschöne Natur boten, die es zu entdecken, aber auch zu pflegen galt. Wandern war angesagt.
Man fand sich zusammen, um gemeinsam etwas zu erleben, gründete Vereine, die nicht nur Wanderungen organisierten und Fortbildung über die Tier- und Pflanzenwelt anboten, sondern auch Wanderwege erkundeten, anlegten und beschilderten, darüber hinaus auch für Rastplätze und Schutzhütten sorgten.
Im Jahre 1888 wurde der „Bergverein Minden zur Pflege des Wittekindsberges
und zur Förderung des Fremdenverkehrs“ gegründet, dem auch Barkhauser Bürger angehörten. Aussichtspunkte, wie die „Habichtswand“ und der „Silberblick“, wurden angelegt.
Am Drei-Männer-Weg entstand der Rastplatz „Leonhardi’s Ruh“. Dass die Reize und Attraktionen der Porta auch überregional bekannt wurden, dazu trugen vor allem die Bemühungen des Fremdenverkehrsverbandes Minden-Porta Westfalica bei, der Ende 1899 ins Leben gerufen wurde.
Zwischen den beiden Weltkriegen wurde der „Heimat- und Verschönerungsverein Barkhausen“ gegründet. Später war es der Bergverein Barkhausen, der sich ähnliche Ziele setzte. Wie eine alte Handzeichnung belegt, war das Wiehengebirge bald von einem engen Netz gepflegter Wanderwege durchzogen.
So kam es dann, dass die von Minden kommende Straßenbahn an Wochenenden die Besucher kaum fassen konnte, die sich alle an der schönen Natur in Weser- und Wiehengebirge erfreuen wollten. Besonders Ostern und Pfingsten sprach man von der „Völkerwanderung“, die insbesondere auf dem Kammweg und in der Wolfsschlucht stattfand. Und da das Gruppenerlebnis durchaus Bedeutung hatte, zog man oftmals singend mit begleitender „Klampfe“ durch das Land.
Und man hörte sie singen:

„Hei, die wilden Wandervögel
ziehen wieder durch die Nacht,
schmettern ihre alten Lieder,
dass die Welt vom Schlaf erwacht“.

Und auch heute noch schwärmt mancher Gesangverein:
„Wer hat dich du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben…“
So mancher Barkhauser Bürger fragt sich, da es aus Gründen des Naturschutzes heute unumgänglich erscheint, zahlreiche Wanderwege zu schließen, ob und wie Tier- und Pflanzenwelt damals eine Belastung schadlos überstehen konnten, die geradezu katastrophal gegenüber der heutigen erscheint.
Was ist aus den Wanderwegen geworden, die einmal zur Freude der Besucher wie ein Netz das Wiehengebirge umfassten? Da waren
Am Nordhang:
Kaiserstraße
Stufenweg
Schlangenweg
Petersenweg
Hermann-Schmidt-Weg
Philosophenweg
Heinrich-Jacob-Weg
Johannaweg
Kapellenweg
Mühlenweg
Burgweg
Bierweg
Unterm Berge
Am Südhang:
Kammweg
Felsenweg
Wolfsschlucht
Durchstich
Zickzackweg
3-Männer-Weg
Oberer Jägerweg
Unterer Jägerweg
Tannenweg
Königsweg
Hindenburgweg
Dehmer Weg
Holzabfuhrweg
Schusterweg
Zahlreiche Natur- und Wandervereine haben sich inzwischen aufgelöst – mit einer Ausnahme: Die Naturfreunde Barkhausen. Nachdem 1895 in Wien der „Touristenverein Die Naturfreunde“ entstand, wurde 1922 zunächst die Ortsgruppe Porta Westfalica–Lerbeck gegründet, die mit dem Verbot 1933 aufgelöst wurde.
Mit vollem Elan ging es 1952 in der Ortsgruppe Barkhausen weiter, und man verzeichnete bereits nach einem Jahr wieder 50 Mitglieder. Schwerpunkt war, wie berichtet wird, eine Wandergruppe, neben der eine Volkstanz- und eine Gesangsgruppe bestanden.
Rundwanderwege wurden markiert und beschrieben. An einem kleinen Bach haben die Naturfreunde ihren „Brunnen des Lebens“ gebaut und auf den alten Namen „Lebensborn“ getauft, der schon immer Symbol für Reinheit, Ursprünglichkeit und Natürlichkeit war.
Seit 1957 trägt die Ortsgruppe Barkhausen die Bezeichnung „Porta Westfalica“, denn nicht alle Mitglieder wohnen in Barkhausen. Sie ist eine auch heute noch aktive Gemeinschaft. Obwohl die Mitgliederzahl gesunken ist, so hält doch, wie berichtet wird, „der harte Kern“ fest zusammen. Die Pflege des Rastplatzes „Lebensborn“ steht weiterhin auf ihrem Programm.
Früher gab es in der Umgebung noch weitere Naturfreunde-Vereine, so in Meißen und Häverstädt. Sie alle hatten das Ziel, den Menschen die Natur näherzubringen, ohne sie zu belasten. Die Anlage und Pflege von Wanderwegen stand ihren Bemühungen nicht entgegen.