Trachten2018-10-05T08:11:06+00:00

Trachten aus Barkhausen und Umgebung

Unter dem Begriff Tracht versteht man traditionelle und historische Kleidung oder Teile davon, die getragen werden. Die Tracht ist die traditionelle Kleiderordnung einer bestimmten Region, eines Landes oder von Angehörigen einzelner Bevölkerungs- oder Berufsgruppen.
Mit dem alten, reichen Brauchtum, das allem Wandel der Zeiten zum Trotz lebendig geblieben ist, hat sich in unserer Heimat auch die alte Volkstracht erhalten. Zwar ist sie heute im Alltag nur noch recht selten zu finden, in den ländlichen Regionen werden die Trachten aber gern für besondere Anlässe getragen.
Wie auf der Karte erkennbar, gab es keine spezielle Barkhauser Tracht, wie im Portaner Ortsteil Holtrup. In Barkhausen wurde die Mindener Tracht getragen, wobei man auch die Bückeburger Tracht auf der anderen Seite der Weser finden konnte.
Die Mindener Tracht hatte seit 1870 mehr und mehr städtischen Schnitt übernommen. Durch Aufgabe der teuren Wandröcke aus schwerer Wolle, der Stücke aus handgewebtem Leinen und echter Beiderwand, besonders aber durch die Übernahme einer leichteren, bequemeren Mützenform, der „hannöversken Müssen“, näherte man sich hier mehr und mehr der Stadtmode, so dass man die Mindener Tracht am treffendsten einer Übergangstracht nennt.

Erschienen die „uniformen“ Trachten für einen Laien gleich, konnte der Kundige wesentliche Unterschiede erkennen, wie z.B. erkennt man am „Bindken“ der Mütze aus welchem Ort eine Frau in Tracht kam. Das „Bindken“ ist ein Band, das über der Mütze gebunden wurde. Es war ein besonderes Kennzeichen der gesamten Volkstracht in Nordwestfalen, von Schaumburg-Lippe über Osnabrück und Bentheim bis ins Westmünsterland.

Westlich der Weser zeigten die „Bindken“ weder Farbe noch Stickereien, höchstens, wie in Hille, etwas Goldflitterbesatz. Man nähte hier am „Bindken“, die meist aus Sammet gefertigt waren, lange Seidenbänder. Diese wurden teils um den Mützenkopf gelegt, so dass Mütze und „Bindken“ als eins erschienen, teils im Genick zu Schleifen gebunden, die in Maschen und langen Enden auf dem Rücken niederhingen. 

Auch hier ergaben sich so kennzeichnende Formänderungen, die von Kirchspiel zu Kirchspiel wechselten. Im Kirchspiel Bergkirchen waren Mütze und Binde aus Sammet und die Binde überdeckte noch den vorderen Rand der Mütze. In Barkhausen, Böhlhorst, Häverstädt und Dützen hatte man ebenfalls Sammet, doch blieb hier zwischen „Bindken“ und Mütze ein Zwischenraum, der das Haar frei ließ. Hille hatte eine breite glatte Binde, ähnlich wie in Hartum, die aber mehr Bandbesatz hatte.
Wie die Tracht durch die Abwandelungen des „Bindkens“ innerhalb geschlossener Trachtengruppen kleinere Gemeinschaften abgrenzten, so verlieh sie auch der Lebensordnung in diesen Gemeinschaften bildhaften Ausdruck, wie bei der Abendmahlskleidung. In ihrem feierlich-ernsten Schwarz-Weiß war die Abendmahlskleidung nicht nur für die Trachtenausstattung für die Abendmahlsfeier, sondern auch für alle Hoch-Zeiten des Kirchenjahrs und des Menschenlebens. Sie wurde zu den ersten Feiertagen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten, am Neujahrstage, am Bußtage und besonders am Karfreitag getragen. Sie war auch das Gewand der Paten bei der Taufe, wurde von den jungen Mädchen erstmals zur Konfirmation, dann natürlich immer zum Abendmahl, schließlich zur kirchlichen Trauung angelegt und am Ende den Toten auf ihrem letzten Weg mitgegeben.
Kleine Unterschiede in den Ausstattungen der sonst völlig gleichen Abendmahls-, Sonntags- und Werktagstracht zeigten nicht nur die Rangordnung sondern auch eindringlich, dass in der Gestaltung der Tracht Kräfte lebendig waren, die aus einem festgefügten Brauchtum kamen. Das drückt sich auch darin aus, dass die einzelnen Lebensumstände ihre besonderen Kennzeichen hatten. So trugen Mädchen in den meisten Gruppen unserer heimischen Tracht blaue „Strichmüssen“ zur Abendmahlskleidung und nicht die schwarzen der verheirateten Frauen und Witwen.
Jeder Trachtenträger wusste, wie er sich bei jeder Gelegenheit zu verhalten und zu kleiden hatte. Innerhalb dieser einengenden Bindung besaß dennoch der Einzelne in Bezug auf die Wahl des Stoffes und die Art der Auszier ein erhebliches Maß an Freiheit. Unsere Volkstracht wurde dadurch der Charakter der Uniformen genommen und es konnten in den gestickten Tüchern und den Schlössern der Halsketten Werke von hohen Volkskunstwert entstehen, Durch die Übernahme von Einzelteilen aus höfischen und bürgerlichen Moden blieb die Tracht vor dem Erstarren bewahrt und es entstanden die vielfachen Verschiedenheiten der Formen, die die einzelnen großen Trachtenlandschaften so reizvoll voneinander absetzten.
Dieser Text stammt auszugsweise aus einer verfassten Ausarbeitung des ehemaligen Kreisheimatpflegers Wilhelm Brepohl zum Thema „Alte Volksbräuche unserer Heimat“ anlässlich einer Ausstellung im Kreisgebiet von Minden-Lübbecke.

Ansichtskarten mit Trachten