Die schlimmste Zeit des Krieges

Die Soldaten waren an der Front, die jungen Frauen in der Heimat. Man hatte Sehnsucht. Was konnte sie verbinden? Einen Blick in den Sternen-himmel hatten manche junge Paare vereinbart. Zu einer bestimmten Zeit einen ganz bestimmten Stern betrachten – oftmals ein Stern aus dem großen Wagen – und sie fühlten sich verbunden.
So heißt es auch in einem damals sehr populären Lied: „Heimat deine Sterne, sie strahlen mir auch am fernen Ort. Was sie sagen deute ich ja so gerne, als der Liebe zärtliches Losungswort“. Geradezu ein Phänomen war das Lied von Lili Marleen, gesungen von Lale Andersen.
Jeden Abend kurz vor 22 Uhr war es auf Soldatensender Belgrad zu hören. Es wurde zur Erkennungsmelodie des Senders, der mit hoher Sendeleistung alle Frontabschnitte in Europa und Nordafrika erreichte und auch von den damaligen Gegnern gehört und mit eigenem Text gesungen wurde.
So wurde Lili Marleen auf beiden Seiten der Front zum populärsten Lied des Zweiten Weltkrieges. Unmittelbar nach dem Krieg wurde Lale Andersen von den Siegern eingeladen, das Lied vor den Soldaten zu singen.
Sehnsucht und Angst um einen geliebten Menschen waren Gefühle, die von den Menschen in der Heimat täglich empfunden wurden. Sie wussten, dass ihre Lieben an der Front ständig höchster Lebensgefahr ausgesetzt waren.
So warteten sie auf den Brief, der oft lange auf sich warten ließ. Feldpostbriefe waren oftmals wochenlang unterwegs. Luftpost ging etwas schneller, doch spezielle Briefmarken dafür wurden nur manchmal zugeteilt. Nicht alles durfte der Soldat mitteilen, keinesfalls zum Beispiel seinen Standort.
Die Adresse der Soldaten war eine Feldpostnummer. Auch Kritik am System durfte niemand äußern. Briefe wurden oft geöffnet, überprüft und bei Beanstandungen nicht zugestellt. Es konnte auch Strafen geben.
Ich erinnere mich, dass meine Mutter – Vater hatte seit vier Wochen nicht mehr geschrieben – morgens gegen 10 Uhr auf der Straße stand und in die Richtung blickte, aus der zu dieser Zeit der Briefträger Jeschkeit kam. Große Freude, wenn er schon von weitem winkte, doch manchmal ging sie schweigend zurück. Die Tränen in ihren Augen sollte ich nicht sehen. Sie wird daran gedacht haben, dass immer wieder im Dorf die Nachricht ankam, dass ein Soldat „für Führer, Volk und Vaterland in treuer soldatischer Pflichterfüllung den Heldentod gestorben ist“.
Oftmals waren neben dem Dienstgrad noch die soldatischen Auszeichnungen aufgeführt. „In stolzer Trauer“ schrieben sogar manche Hinterbliebene. Auffällig war, dass gegen Ende des Krieges manchmal die Worte „für Führer…“ fehlten.
Wie aus der Chronik von Fritz Franzmeyer hervorgeht, sind 165 Barkhauser Bürger im Zweiten Weltkrieg gefallen. Das ist nicht nur eine Zahl. Oftmals verbinden sich damit Erinnerungen, denn sie waren doch – man war ja etwa im gleichen Alter – frühere Schulkameraden, oder Nachbarn, Freunde, Bekannte. Und man begegnete der jungen Witwe, dem Kind, das keinen Vater mehr hatte.
„… dass nun auch unser jüngster Sohn … wie 3 Monate vorher sein Bruder Hermann…“, so steht es in einer Anzeige in den „Westfälischen Neuesten Nachrichten“ (WNN). Trotz des Glaubens an den Endsieg: Schweres Herzeleid auch für die Familie eines SS-Mannes.
Heimaturlaub war für den Soldaten und seine Familie immer ein besonderes Erlebnis…
Auf sein Verwundetenabzeichen war mein Vater nicht besonders stolz. Als Junge war ich aber stolz darauf, Vaters Karabiner 89k in die Hand nehmen, mit Übungsmunition laden und Zielübungen damit machen zu dürfen. Mein Klassenkamerad Werner nahm heimlich die Pistole seines Vaters in die Hand – und schoss sich damit durchs Bein. Er war unter uns Jungen, wenn wir staunend Ein- und Ausschussloch betrachteten, nur noch mit Mühe von einem Helden zu unterscheiden.
Zu den besonderes Auszeichnungen gehörte die Ostmedaille, von den Soldaten „Gefrierfleischorden“ genannt. Sie wurde verliehen als „Anerkennung für Bewährung im Kampf gegen den bolschewistischen Feind und den russischen Winter 1941/1942“.