Endkampf und Besetzung

Der Krieg neigte sich dem Ende zu. Die deutschen Truppen waren an allen Fronten auf dem Rückzug. In der Heimat musste die Bevölkerung jeden Tag, insbesondere auch nachts, mit Fliegeralarm rechnen. Minden hatte schon einige Bombenangriffe erlebt. Die Porta Westfalica war durchaus gefährdet, denn in der Enge zwischen Weser- und Wiehengebirge konnten bei einem Angriff die heutige B 61, die Eisenbahnlinie und auch die Kettenbrücke zerstört werden, die zwar für den Straßenverkehr keine allzu große Bedeutung hatte, aber den Schiffsverkehr auf der Weser lahmgelegt hätte.
So wurden dann bei Fliegeralarm die Luftschutzräume, insbesondere auch die öffentlichen, aufgesucht. …..
„Von Finnland bis zum Schwarzen Meer … vorwärts“, hatten einst die Soldaten gesungen. Das Lied konnte man nicht mehr singen. „Es ist so schön, Soldat zu sein“, das wollte keiner mehr singen. „Weit ist der Weg zurück ins Heimatland“ brauchte man nicht mehr zu singen, man war ja schon da.
Letzte Parolen der hier gelesenen Westfälischen Neuesten Nachrichten:
Viel eindrucksvoller als die Durchhalteparolen waren die Sterbeanzeigen. Von den 25 Anzeigen am 3. Februar 1945 zeigten 23 das schwarze Eiserne Kreuz für Personen, die gefallen oder sonst durch Kriegseinwirkung verstorben waren.
Derweil sang Zarah Leander im Rundfunk immer noch das Durchhaltelied von der Welt, die nicht untergehen wird, obwohl die feindlichen Truppen längst auf deutschem Boden kämpften und ihr eigenes Lied sangen: „We’re going to hang out the washing on the Siegfried Line“. Sie wollten also ihre schmutzige Wäsche an der Siegfriedlinie aufhängen, und das waren die deutschen Bunker und Verteidigungsstellungen im Westen.
Und wenn Zahra Leander dann noch sang: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, so glaubte niemand daran, obwohl auch in Barkhausen der Start der „Wunderwaffe V 2“ am Horizont weit im Westen beobachtet werden konnte. Ich habe den langen senkrecht aufsteigenden Kondensstreifen selbst gesehen, wie auch eine Me 262, den ersten Düsenjäger, beim Flug durch die Porta Westfalica mit bisher nie gesehener Geschwindigkeit. …..
Wir hatten mit dem Fernglas von der Kaiserstraße aus Panzer auf der Lübbecker Straße beobachtet. Es waren offenbar keine deutschen. An der Freiherr-vom-Stein-Straße westlich des Kaiserhofs war eine Panzersperre errichtet worden. Man konnte schon deutlich Kanonendonner hören. Der Einmarsch fremder Truppen stand kurz bevor.
Die Kettenbrücke und die Grüne Brücke waren von deutschen Soldaten gesprengt worden. Amerikanische Truppen waren im Dorf angekommen und hatten – es war am 06.04.1945 – die Weser unmittelbar oberhalb der Grünen Brücke überquert.