Steinscharten an der Kapelle2018-08-31T03:58:13+00:00

Fritz W. Franzmeyer

Steinscharten an der Kapelle

Steinscharten! Sucht man sie unter diesem Begriff im Internet, landet man bei der Postleitzahl 94481 im Bayrischen Wald. Auch auf einem 2541 Meter hohen Gipfel am „Heilbronner Weg“ im Allgäu. Dabei braucht der Barkhauser nur zu seiner historischen Dorfkapelle zu wandern, um eindrucksvolle Steinscharten zu sehen. Sie durchfurchen dort, am eindrucksvollsten an der Südostecke, allerdings nicht „triassischen Hauptdolomit“, sondern nur den guten alten Porta-Sandstein. Und sie sind um viele Größenordnungen kleiner als die „Kleine Steinscharte“ im Allgäu. Noch bequemer haben es die Mindener. Sie laufen tagtäglich daran vorbei. Denn Steinscharten zieren das zentral gelegene Gebäude der Stadt, das Rathaus, genauer: die Pfeiler und Rundsäulen der Rathauslaube.
Zum Glück gibt es Synonyme: Schleifscharten, auch Wetz- oder Schabrillen. Da wird man denn fündiger. Man staunt, wo es sie nicht alles gibt: in Österreich, Bayern, Hessen, Niedersachsen, im Saarland, in der Pfalz, im Brandenburgischen. Vermutlich sind sie über halb Europa verstreut. Das Merkwürdige: Meist findet man sie an Kirchen, an deren Portalbegrenzungen, Vorhallen oder Kantensteinen. Gelegentlich kommen sie aber, wie man in Minden sieht, auch an alten Profanbauwerken wie Rathäusern, Stadttoren, Brücken oder Prangern vor. Ich selbst wurde auf sie an der Donau und in Brandenburg aufmerksam. Erst das schärfte meinen Blick dafür auch im heimischen Raum. Bis dahin war ich hier achtlos daran vorüber gegangen.
Nun war ich neugierig geworden. Wer schliff diese Rillen? Entstanden sie zur gleichen Zeit oder nach und nach? Vor allem: Welchem Zweck dienten sie? Waren hier bereits vorher vorhanden gewesene „Schleifsteine“ verbaut worden? Sind post-mittelalterliche „Tagger“ am Werk gewesen, die zwar keine Spraydosen, wohl aber Kratzwerkzeuge zur Verfügung hatten?
Wer sucht, der findet – sollte man meinen: allgemein in der Literatur zu Sakral- und Profanbauten oder speziell im Barkhauser Kapellenbuch resp. zur Baugeschichte des Mindener Rathauses. Ich fand aber nirgendwo eine eindeutige Erklärung, weder im Allgemeinen noch im Minden und Barkhausen betreffenden Besonderen. Wohl aber gibt es hier und da – wenn auch nicht bei uns – eine Menge Vermutungen und Spekulationen, zum Teil gestützt auf anekdotischen Augenschein. Der ehemalige Landeskonservator von Hessen, Gottfried Kiesow, zählt auf: […]
Hierbei handelt es sich um einen Ausschnitt eines Aufsatzes von Fritz W. Franzmeyer.
Die gesamte Fassung dieses und weitere Aufsätze über Barkhausen von ihm sind unter der ISSN 0340-188X beim Mindener Geschichtsverein veröffentlicht worden.
Mindener Geschichtsverein