Fritz W. Franzmeyer

Zur Geschichte der Barkhauser Schule

Die Kirchenordnung des Mindener Reformators Nicolaus Krage von 1530 umfasste auch eine Schulordnung. Doch viele Bauern ließen ihre Kinder lieber auf dem Hof mitarbeiten, statt sie zur Schule zu schicken. Erst die Strafandrohungen der Königlich Preußischen Landschulordnung von 1754 machten dem ein Ende. Sie half aber auch, den Einfluss der Kirche zu sichern. Barkhausen blieb noch bis 1877 unter der Schulaufsicht von St. Martini. Bis in die Weimarer Republik sollte es dauern, bis das Schulwesen ganz und gar verstaatlicht wurde.
In Barkhausen stand anfangs kein eigenes Schulhaus zur Verfügung, so dass in der Wohnung des Küsters unterrichtet wurde. Dort war es meist eng und ärmlich genug, denn Schulmeister sein war härtestes Brot. Wofür sich der Küster-Lehrer nicht selten an den Kindern rächte. Erst nach der „Franzosenzeit“ kam es zu gründlichen Verbesserungen – in der Besoldung, der Lehrerausbildung und im Lehrplan.
Spätestens ab 1655 hatte Barkhausen mit Sicherheit eine eigene Schule. Aus dem Barkhauser Kapellenbuch ist von 1679 an die Abfolge der Schulmeister bekannt. Der erste war Johann Lothmann. Es fällt auf, dass in den nächsten 250 Jahren unter den Lehrern kaum je ein alteingesessener Barkhauser Name auftaucht. Meist gab es mehrere Bewerber. So konnte es durchaus auch zum Streit in der Gemeinde kommen. Dies zeigt aber, dass zumindest die begüterten Gemeindemitglieder ein Mitspracherecht bei der Bestellung von Lehrkräften geltend machten. Doch Wahlen gab es natürlich noch nicht, und bei Unversöhnlichkeit der Parteien setzten Staat oder Kirche einen „lachenden Dritten“ ein. In Barkhausen war ein solcher von 1711 bis 1744 Konrad Bullerkiste.
Doch den Lehrern wurde auch außerschulisch einiges abverlangt. Verstöße gegen die „guten Sitten“ konnten den geschätztesten Pädagogen die Stelle kosten. Ein solches Opfer wurde in Barkhausen der beliebte Lehrer Stahs. 1833 war er als Hilfslehrer nach Barkhausen gekommen. Doch das Schulamt nahm ihn unter Beobachtung. Ihm wurde eine Beziehung zur Magd des Konkurrenten Koch nachgesagt. Das genügte. Stahs musste gehen und wird wohl keine neue Anstellung gefunden haben.
Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die wirtschaftliche Grundlage der Barkhauser Lehrer, denn 1855 schenkte Bauer Schonebohm Nr. 40 der Schule ein ertragreiches Grundstück, was wohl der Tüchtigkeit des Lehrers Jürgensmeier zu danken war. Am Ende des 19. Jahrhunderts zählten die Lehrer sogar zur sozialen Elite des Dorfes. Besonders der erste Lehrer hatte eine herausgehobene Stellung. Das machte sich auch in der Gehaltsabstufung bemerkbar. Von den drei Lehrern, die im Jahre 1898 in Barkhausen angestellt waren, bekam erster Lehrer und Schulleiter Deppe 2.775 M, dazu freie Wohnung und den Schulgarten. Schrader als zweiter Lehrer bekam 1.650 M, Ahlert als dritter 1.050 M – fast nur ein Drittel des Chefgehalts.
Schwer tat sich die Gemeinde mit den Schulbauten. 1822 wurde endlich das erste eigenständige Schulhaus gebaut, ein schönes, einstöckiges Fachwerkhaus in Kapellennähe, das noch heute steht. Es handelte sich um eine Halbtagsschule mit einem einzigen Lehrer. Er hatte anfangs 90 Kinder zu unterrichten. Mit der Los-lösung der Schule vom Küsterhaus wurde zwar der pädagogisch ungeschulte Küster von der Lehrerfunktion entlastet, dafür nun aber der erste Lehrer zusätzlich mit der Küster- und Kantorfunktion betraut. Erst 1897 wurde er davon entbunden. Knapp 60 Jahre tat das erste Schulhaus seinen Dienst. Dann wurde es zu klein.
So entstand 1878/79 gleich nebenan ein Neubau. Der Schulbetrieb war nun der einer Ganztagsschule; die Klasse I hatte täglich sechs, die Klasse II vier und die Klasse III zwei Stunden Unterricht. Doch der Zuwachs der Kinderzahl führte abermals zu Raumnot. So entstand 1886/87 ein Neubau an der Osterfeldstraße. Doch wieder wurde nicht vorausschauend geplant. Kein Wunder also, dass im Oktober 1904 bereits das vierte Haus bezogen wurde. Das Bevölkerungswachstum war aber gerade in diesen Jahren besonders dynamisch, und der Neubau konnte die Raumnot kaum lindern. Erst als 1908 sechs Lehrer 495 Kinder unterrichten mussten, reifte endlich der Plan für einen großzügigen, alles in sich vereinigenden Bau an der Osterfeldstraße.
Am 6. August 1911 war feierliche Einweihung. Nun erst hatte man auch alle Zusatzeinrichtungen wie Zeichensaal, Lehrerzimmer und Hausmeisterwohnung unter einem Dach – bis auf eine Turnhalle. Andernorts im Lande wurde an den Schulen schon seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts geturnt. Barkhausen war also ohnehin spät dran – und baute nun eine hochmoderne Schule ohne Turnhalle. Doch der Mangel wurde, auch unter dem nicht uneigennützigen Druck des Turnvereins, rasch erkannt, und praktischer Geist sann auf Abhilfe: Ein ehemaliges Klassenzimmer in Schulbau Nr. 3 wurde zur „Turnhalle“ umgebaut.
Das war im Jahre 1913. Mit dem Provisorium mussten Schule wie Vereine lange zurecht kommen. Erst 1930 bekamen sie, nun als erste weit und breit, eine allen modernen Anforderungen genügende, „richtige“ Turnhalle. Und auch der Sportplatz konnte angelegt werden. Der Amtsbausachverständige Bergbrede hatte im Dezember 1928 seine Baupläne für die neue Turnhalle vorgelegt und war damit auf einhellige Zustimmung gestoßen. 
Aus dem ersten und zweiten Schulgebäude wurden bald Wohnhäuser. Das Fachwerkhaus wurde 1997/98 denkmalgerecht saniert. Das dritte beherbergte etwa seit Ende des Ersten Weltkrieges das Gemeindebüro und wich in den achtziger Jahren einem Neubau der Sparkasse. Das vierte Schulhaus, dem fünften unmittelbar benachbart, steht dagegen noch. Es enthielt nach dem Bau des fünften lange Zeit nur noch die Wohnung des Rektors und ist – nach diesem – als „Kleffmann-Schule“ in die Ortsgeschichte eingegangen.
Die soziale Stellung der Lehrer verbesserte sich zwar bis zum Ende des 19. Jahrhunderts grundlegend. Doch dafür hatten sie Bedingungen zu erfüllen. Vor allem mussten sie unbeirrbar vaterländisch sein. Zum Weltbild der Schulverantwortlichen gehörte auch, dass Unterrichtung vor allem Männersache sei. Im Herbst 1909 wollte man unbedingt die „drohende“ Umwandlung einer Lehrer- in eine Lehrerinnenstelle abwenden.
Darunter zu leiden hatte Fräulein Adelheid Riechling aus Hille, die zum 1. Juni 1910 einstweilig dem Schul-verband Barkhausen zugewiesen wurde. Dort wollte man sie mit vereinten Kräften wieder loswerden. Doch Riechling ließ sich nicht wegdrängen. Neun Jahre blieb sie an der Barkhauser Schule. Die vollen Frauenrechte hielten freilich erst gut zwei Jahrzehnte später Einzug. Nun galten sie sogar nicht nur für die Lehrerinnen, sondern auch für die Schülerinnen, und nicht allein in Barkhausen. Denn nach einem Sitzungsprotokoll von 1934 ordnete der Schulrat an, dass Schulmädchen „in keiner Weise angefaßt“ werden dürften.
Schon von 1887 an hatten die Kinder der 1. und 2. Klasse auch nicht mehr wie bis dahin üblich zur Reinigung der Schulräume herangezogen werden dürfen. Zudem machte man jetzt Ausflüge und feierte. Natürlich wurde das Fröhlichsein von der Obrigkeit verordnet, so zu Kaisers Geburtstag am 22. März.
Im Ersten Weltkrieg kam der Unterricht fast zum Erliegen. Das Schulgebäude wurde Militärunterkunft, Lehrer Klostermann für Zwecke der Kriegspropaganda in Anspruch genommen. Drei Lehrer – Kleffmann, Struckmann und Schneider – wurden sofort eingezogen, die Klassen Ia und Ib mit ca. 90 Schülern zusammengefasst. Von Anfang 1917 an mussten sogar die 105 Schüler der Klassen II und III zusammen unterrichtet werden, wenn die Schulstunden mangels Kohlen nicht ganz ausfielen.
Im Kriege fielen zahlreiche Väter, und die Mütter mussten danach den Unterhalt verdienen. So fiel zu Beginn der Weimarer Zeit das Elternhaus als Erziehungsstätte allzu oft aus. Um so mehr wuchs diese Aufgabe nun der Schule zu. Die aber fühlte sich zunächst überfordert, da es ihr an Lehrpersonal mangelte, die Klassen also übervoll waren. Zu um so drakonischeren Mitteln wurde gegriffen. Ohne körperliche Züchtigung sei kein Auskommen, waren die Barkhauser Lehrer überzeugt. Besonders gefürchtet war Lehrer Krause. Manches genervte Kollegiumsmitglied dürfte im stillen froh gewesen sein, als die Schule im Januar 1922 wegen einer schweren Grippeepidemie und im November 1923 wegen Kohlenmangels vorübergehend schließen musste.
Nur Rudolf Klostermann konnte es nicht mehr allzu sehr anfechten: Ende 1923 ging er in den Ruhestand.
Die Schule unterlag in der Weimarer Zeit folgenreichen Veränderungen. Die wichtigste trat bereits 1920 mit der Wahl des ersten Elternbeirats ein: Gewählt wurden sieben Sozialdemokraten und ein Bürgerlicher. Kein Landwirt war mehr dabei. Personell erhielt ein paar Jahre später die Schule vor allem Impulse vom neuen Rektor, Dr. Heinrich Hollo, der nach der Inflation von Minden nach Barkhausen versetzt wurde. Er kämpfte erfolgreich gegen Bestrebungen, die Zahl der Klassen und damit auch der Lehrer zu verringern.
Neue Lehrmittel wurden angeschafft, die Schulbibliothek ausgebaut, die Spiel- und Sportstätten umgestaltet. Das ging einher mit einem Motivationsschub für Schüler, Lehrer und Eltern, etwa indem Hollo das Schulhaus herausputzen ließ, gemeinsame Ausflüge und Dampferfahrten veranstaltete, eine Theatergruppe auch in der Schule gründete und Filme in den Unterricht einführte. Der Freilichtbühnenvorsitzende Hollo sorgte auch dafür, dass die finanziell so erfolgreiche Bühne ihr Füllhorn über den Schulrektor Hollo ausschüttete, indem er diesem die neue Turnhalle finanzierte.
Doch Hollo war anfällig für die Nazi-Ideologie. Er verschaffte dem NS-Lehrerbund Einfluss. Fast alle Junglehrer traten diesem bei. So hatte der „linksgerichtete Elternbeirat“, dem am Ende der Weimarer Zeit Hermann Dießelhorst Nr. 260 vorstand, bald nichts mehr zu vermelden. In der Arbeit des Lehrerkollegiums aber scheint die NS-Zeit, wollte man allein dessen eigenen Quellen folgen, so gut wie nicht stattgefunden zu haben. Zumindest im Lichte der Sitzungsprotokolle hielt sich Dr. Hollo an sein Credo, Parteipolitik aus dem Schulbetrieb fernzuhalten.
Der Antrieb so manchen Barkhauser Lehrers in der NS-Zeit war denn auch wohl keineswegs Begeisterung, sondern Anpassung und Sorge um die eigene berufliche Existenz. Zum Beispiel wurden im Frühjahr 1933 fünf Lehrer im Kreis Minden verhaftet, darunter das Barkhauser SPD-Mitglied Zurmühl. Hollo blieb allerdings nicht bis zum Ende des NS-Regimes, er wurde nach Detmold versetzt. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Schulalltag rascher als das politische Leben wieder an. Von Dezember 1945 an gab es wieder einen geregelten Unterricht unter dem nach Barkhausen versetzten Hermann Pieper. Dieser, ab 1947 vollbestallter Rektor, war in der NS-Zeit ein unbescholtener Mann gewesen. Er wurde sofort auch „Bezirkslehrer“. In den Folgejahren engagierte er sich bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Anfangs standen Hermann Pieper nur wenige Lehrkräfte zur Seite, die der britischen Militärregierung un-bedenklich erschienen waren. Doch 1950 waren es schon wieder zehn Lehrerinnen und Lehrer, die die 488 Barkhauser Schüler, darunter 33 heimatvertriebene, unterrichteten.
Bald zeichneten sich allerdings Strukturprobleme im Klassenaufbau ab. Immer mehr Eltern schickten ihre Kinder auf weiterführende Schulen nach Minden. Dieser Exodus hatte zur Folge, dass die Oberklassen dünn besetzt waren, während sich in den Grundklassen Gedränge herrschte. Da die Schulbehörden zudem die Klassenfrequenz auf 40 begrenzten, mussten die Unterklassen geteilt werden, während die dünner besetzten Oberklassen nicht zusammengelegt werden konnten. Insgesamt schrumpfte die Schülerzahl.
Andererseits herrschte Anfang der sechziger Jahre großer Lehrermangel. So griff die Schule zunächst sogar auf den fast 69-jährigen Fritz Albersmeier zurück. Auch wurden – meist weibliche – Hilfskräfte beschäftigt, die man despektierlich „Mikätzchen“ nannte, weil sie im Rahmen eines vom damaligen Bundesminister Mikat angeschobenen Programms im Schnellverfahren ausgebildet wurden. Außer Lerbeck war im heimischen Raum die Schule Barkhausen für die Lehrgänge ausgewählt worden – eine enorme Zusatzbelastung. So begrüßte das überalterte Kollegium 1964 unter dem nunmehrigen Rektor Hermann Schmidt mit großer Begeisterung in der Person von Gerd Achelpöhler den nach langer Zeit ersten echten „Junglehrer“, wenn auch noch niemand ahnte, dass dieser in gar nicht langer Zeit als Rektor die Geschicke der Barkhauser Schule lenken würde. Doch dann wird diese nicht mehr die alte sein.
Trotz des Ausblutens der Oberklassen wurde es Anfang der sechziger Jahre erforderlich, die räumlichen Kapazitäten der Schule aufzustocken. Der Ort war seit dem Bau der Lehrstätte von 1911 um weit mehr als die Hälfte gewachsen. Auch bestand ein erheblicher Modernisierungsbedarf. So begannen 1961 auf Initiative der Schulleitung und im engen Kontakt mit Bürgermeister Homeier wie dem neu amtierenden Vorsitzenden der Schulpflegschaft, Amtsgerichtsrat Raabe, die Planungen für einen Um- und Neubau. Entwurf und Ausführung vertraute man dem Architekten Rodenberg an.
Am 25. Juni 1966 konnte der erste Teilkomplex des Erweiterungsbaues einschließlich einer neuen Turnhalle übergeben werden. Bald danach entstanden ein Lehrschwimmbecken und ein Jugendheim. Nachdem die alte „Kleffmann-Schule“ zur Hausmeisterwohnung um-gebaut und gegenüber der alten Turnhalle ein neues Lehrerhaus errichtet worden war, wurde bis 1969 auch das Schulgebäude von 1911 auf modernen Stand gebracht. Doch dann drohte plötzlich der Leerstand. Im Jahre 1966 war das Schulwesen reformiert worden. Der Typus Volksschule wurde einerseits durch die vierjährige, ortsnahe Grundschule, andererseits durch die fünfjährige Hauptschule als mindestens doppelzügige, überörtliche Mittelpunktschule abgelöst.
Das Schuljahr 1967/68 sollte für die Gemeinschaftsschule Barkhausen das letzte werden. Mit zehn Klassen, 363 Schülern, 4 Lehrerinnen und 6 Lehrern endete ihre Ära. Zwar bekam sie auch in Barkhausen zwei Nachfolgerinnen. Doch nach schulpolitischer Beschlusslage sollte es im Raume Dützen-Ost nur noch eine einzige Hauptschule geben. Rektor Schmidt, der zum Ende des Schuljahres mitsamt seiner Schule in den Ruhestand ging und gewissermaßen mit seinem Grundschulbein Rektor Held aus Dützen, mit seinem Hauptschulbein Rektor Kruse aus Lohfeld Platz machte, hat festgehalten, wie es gelang, den Hauptschulstandort Barkhausen vorerst gegen die Befürworter des Standorts Häverstädt zu sichern. Doch mit der Gebietsreform von 1973 wurde die Hauptschule Dützen-Ost aufgelöst. Seitdem gibt es in Barkhausen nur noch eine Grundschule.
Grundschule-Barkhausen

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