Postwesen2018-11-21T07:09:13+00:00

Bernd Möller

Postwesen für Barkhausen

Die Anfänge des Postgeschehens rund um die Porta Westfalica begannen bereits im Jahre 1616, als Johann von Schmalhausen bis 1621 taxischer Posthalter in Hausberge war. Die Posthalterei mit einem Postschalter befand sich in dem Haus zum Berge. Als sich zu dieser Zeit die kaiserlichen Postreiter auf die fast 5-tägige Reise von Köln über Westfalen nach Hamburg begaben, machten sie auch Halt an der Poststation in Hausberge. Später gab es an dieser Strecke in Aulhausen auf dem Amannschen Hof an der Alten Poststraße eine offiziell eingerichtete Wechselstation für die Postpferde.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde wieder eine Poststelle in Hausberge eröffnet, nachdem jahrelang die postalische Versorgung über die Postämter in Minden und Bückeburg erfolgte. 1808 wurde das Postwärteramt in Hausberge eröffnet, das noch dem Postamt in Minden unterstellt war. Der Senator und Landwirt Anton Schnüll wurde zum Postwärter bestellt. Für die damaligen Barfrankierungen wurde erstmalig ein einzeiliger Stempel mit der Aufschrift „Hausberge“ verwendet. 
Im Jahre 1825 wurde aus dem Postwärteramt in dem Haus an der Schalksburg eine Postexpedition. Die Straße zur Poststation wurde in Poststraße umbenannt. Der Apotheker Karl Friedrich Ludwig Braun wurde am 18.05.1829 zum Postexpediteur bestellt. Ab 1825 bekam der bisherige einzeilige Stempel noch eine weitere Zeile mit Tages- und Monatsangabe. Mit der Einführung der preußischen Briefmarken ab 1850 wurden die Marken mit dem sogenannten 4-Kreis-Stempel entwertet, der für das Postamt Hausberge die Nummer 587 in der Mitte trug.
Im Dezember 1850 übernahm Johann Wilhelm Zetzener als Postexpediteur das Amt in Hausberge. Zu dieser Zeit war Herr Gernum Landbriefträger in Hausberge. Die Orte Kleinenbremen, Nammen, Wülpke, Lerbeck, Neesen und Meißen wurden ab Juli 1852 wieder dem Postamt Minden zugeordnet, wobei die südlichen Gemeinden weiter dem Postamt in Hausberge unterstanden. Im Dezember 1855 wurden diese Ortschaften wieder dem Postamt Hausberge zugeordnet und erhielten einen zusätzlichen Landbriefträger, den Sohn von Herrn Gernum.
Am 01.Mai 1879 übergibt der Postverwalter J.W. Zetzener im Alter von 75 Jahren das Amt an seinen Sohn Julius Zetzener, der das Amt 40 Jahre weiterleitete. Ihm folgten die weiteren Postverwalter Hitz, Rosentritt und Pankoke.
Als 1847 das Empfangsgebäude an der ausgebauten Bahnstrecke zwischen Hamm und Minden vor dem Jakobsberg errichtet wurde, erhielt der Bahnhof den Namen „Porta Westphalica“. Ursprünglich sollte der Bahnhof den Namen Hausberge erhalten, aber die Stadt Hausberge war nicht bereit, sich an den Finanzierung des Bahnhofs zu beteiligen. Vermutlich wurde durch die Eisenbahngesellschaft daher der neutrale lateinische Name des Weserdurchbruchs gewählt, da er selbst in der Region nur „Scharte“ oder einfach der „Durchbruch bei Hausberge“ hieß. Die Porta Westfalica wurde in Leben gerufen, ohne dabei zu erahnen, was sich in den kommenden 170 Jahren daraus entwickeln sollte.
Am 1.April 1888 eröffnete zusätzlich zum Postamt Hausberge eine Postagentur im Bahnhofsgebäude. Auch die Postagentur erhielt den Namen „Porta Westphalika“. In der Folgezeit wurden unterschiedliche Schreibweisen wie sowohl Porta Westphalica, Porta Westfalika oder Porta Westfalica, als auch mehrere Varianten bei den Gemeinden Hausberge und Barkhausen mit unterschiedlichen Zusätzen verwendet. Da man sich nicht auf eine einheitliche Schreibweise einigen konnte, legte daraufhin am 11.06.1926 der Staatsminister per Entscheid fest, dass die postalische Bezeichnung der Ortschaften Hausberge und Barkhausen den Zusatz „an der Porta“ erhielten. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass Porta Westfalica ab sofort nur noch mit „f“ und „c“ geschrieben wird. 
Die lateinische Bezeichnung der Westfälischen Pforte wurde fortan in vielerlei Gelegenheiten verwendet. Insbesondere in der Tourismusbranche wurde die Porta Westfalica als großer Werbeträger verwendet. Nicht nur die Städte in unmittelbarer Nähe wie Bückeburg, Minden und Bad Oeynhausen warben ausgiebig mit Ihrer Nähe zur Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal. Wenn man alten Werbeprospekten Glauben schenken will, stand das Kaiser Wilhelm Denkmal viel nur kurzfristig sowohl in Bückeburg als auch in Löhne, Herford und Bielefeld.
Als vor fast 150 Jahren neben den versiegelten Briefen auch noch die ersten „Offenen Karten“ mit der Post versandt wurden, begann ein neues Zeitalter der Kommunikation. Es wurden offene Mitteilungen zunächst als Firmenwerbungen geschickt, die im Laufe der Zeit auch immer mehr Illustrationen enthielten. Am 1. Juli 1872 wurden bei der deutschen Reichspost nach den ersten Correspondenz-Karten auch Postkarten zugelassen, auf denen sich ganzseitige Zeichnungen oder Fotographien befanden.
Die Tagesleistungen der Post nahmen kontinuierlich zu, sodass man beschloss, weitere Postagenturen zu eröffnen. Am 1. September 1889 eröffnete die Postagentur „Wittekindsberg“ im Hotel Porta. Leiter und Vorsteher dieser Postagentur war der Postmeister Ludwig Bergmann. Ferner entstanden 1889 weitere Postagenturen in Eisbergen, Holzhausen, Kleinenbremen und Veltheim.
Zum Zustellbezirk des Postamts Hausberge gehörten:
Nr.OrtNr.OrtNr.Ort
1.Hausberge12.Fliegenbrink23.Möllbergen (Bahnhof)
2.Kirchsiek13.Tielosen24.Buhnhöfe
3.Tatenkamp14.Findel25.Buhnfeld
4.Tieloserfeld15.Mackenkamp26.Buhn
5.Mindener Weg16.Grüner Jäger27.Berghop
6.Regte17.Voßbrink28.Lackhop
7.Hainholz18.Brandskamp29.Möllbergerheide
8.Lohfeld19.Schierholz30.Riehe
9.Schneiderbrink20.Kreckenhof31.Tannenbrink
10.Sundern21.Möllbergen (Dorf)32.Bornholz
11.Mühlenhöfe bei Lohfeld22.Mühlenhöfe bei Möllbergen33.Hackfeld
Beim Postamt Porta Westfalica kamen folgende Landpostorte in Betracht:
Nr.OrtNr.OrtNr.Ort
1.Neesen6.Lehmberg11.Kolonat Nottmeyer
2.Schalksmühle7.Zeche Victoria12.Forsthaus Nammen
3.Pievitt8.Strahnmühle13.Breitensill
4.Im Horn9.Dorf Nammen
5.Lerbeck10.Lohkrug
Zum Bezirk der Postagentur Wittekindsberg (Porta) gehörten:
Nr.OrtNr.OrtNr.Ort
1.Kaiserdenkmal5.Aulhausen9.Tiloh
2.Margarethenklus6.Barkhausen10.Westerfeld
3.Wedigenstein7.Barkhauser Feldmark
4.Wittekindstein8.Böschemeiers Mühle
Schon weit vor der Einweihung des Kaiser Wilhelm Denkmals kamen zahlreiche Touristen nach Porta, um zu sehen, was dort auf dem Wittekindsberg entsteht. Die Eisenbahn hielt 1892 bereits siebenmal am Tag am Bahnhof Porta. Von Minden nach Porta wurde eine Straßenbahn gebaut, die bereits im Jahre 1893 eröffnet wurde. Über zahlreiche Wanderwege konnte die Denkmalsbaustelle auf dem Wittekindsberg erreicht werden.
Auf dem Denkmalsparkplatz hatte man noch vor der Errichtung des damaligen Denkmalsrestaurants eine Bretterbude gebaut, in der von 1892 bis 1894 die Restauration Brinkmann eingerichtet war. Dort konnten bereits Getränken, kleine Snacks und Postkarten gekauft werden. Zu dieser Zeit war es fast selbstverständlich, dass man bei dem Besuch einer Sehenswürdigkeit oder aus dem Urlaub Postkarten an seine Lieben verschickte. Die beschriebenen Postkarten konnten in der dort vorhandenen Posthülfstelle abgegeben werden. Die Karten erhielten den Posthülfstempel und wurden am Ende des Tages gesammelt zur Postagentur Wittekindsberg ins Tal gebracht, wo sie den offiziellen Aufgabestempel erhielten, bevor sie weiter zu den Adressaten befördert wurden.
Wenn am 8. Juli 2018 das neue Informationszentrum und Panoramarestaurant Wilhelm 1896 nach den abgeschlossenen Sanierungsarbeiten am Kaiser Wilhelm Denkmal eröffnet werden, ist davon auszugehen, dass nicht einmal annähernd so viele Grüße mit Ansichtskarten verschickt werden, wie es noch vor rund 120 Jahren bei der Eröffnungsfeier des Kaiser Wilhelm Denkmals am 18. Oktober 1896 der Fall war.
Wenn man sich überlegt, wie schnell heute die Freunde mit einer Whatsapp-Nachricht oder über Facebook darüber informiert werden, wo man gerade ist oder was man gerade macht, wird man sich kaum noch vorstellen können, was damals für ein Aufwand erforderlich war, um nur mal einen Postkartengruß von A nach B zu senden.
Die Karten wurden aufwendig entworfen und gedruckt. Eine Karte und ein Postwertzeichen musste gekauft, geschrieben und zur nächsten Poststelle gebracht werden, wo sie gestempelt und weiter bearbeitet wurden. Dann wurden die Karten zumeist mit dem Auto und der Bahn zu den Bestimmungsorten gebracht, wo die Ankunftszeit per Stempel dokumentiert wurde. Die Postbediensteten brachten die Karten mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu den Adressaten, wo sie endlich in den Schlitz des Briefkastens gelegt wurden. Obwohl die Zeitspanne zwischen Aufgabe und Ankunft einer Postkarte gefühlt damals deutlich kürzer war als heute, kann es mit der Schnelligkeiten eines Smartphones nicht einmal annähernd konkurrieren.
Kostete das Porto für Postkarten 1872 noch einen halben Groschen oder 2 Kreuzer, stieg das Porto von 1875 bis 1916 auf 5 Pfennig. Ab 1954 waren bereits 10 Pfennig Porto erforderlich. Ab 1972 begann eine rasante Entwicklung der Portokosten und nicht nur für Postkarten. Nach 15 Pfennig musste ab 1974 für eine Postkarte 20 Pfennig, ab 1982 bereits 60 Pfennig und ab 1997 sogar 100 Pfennig für Versenden einer Postkarte gezahlt werden.
Obwohl die Portokosten bereits 1 Jahr nach der Euroumstellung von 51 Cent, auf das heute noch gültige Portoentgelt von 45 Cent gesenkt wurden, konnte dies nicht dazu beitragen, die bis dahin deutlich eingebrochenen Versandmengen von Postkarten wieder zu erhöhen. Auch die hohen Portokosten im Ausland, wie z.B. in Dänemark, wo man heute 25 DKK (ca. 3,35 €) Porto für einen Brief oder eine Postkarte zu zahlen hat, führten dazu, dass man sich heute schon fast wundern muss, wenn man doch noch mal die ein oder andere Ansichtskarte erhält. Auf der anderen Seite wird man heute mit medialen Nachrichten regelrecht überschwemmt. 
Einen Vorteil haben die alten Postkarten sind im Gegensatz zu den heutigen Nachrichten. Sie sind nicht so schnelllebig und vergänglich. Die teils hochwertig gestalteten Lithographien stehen nicht erst seit heute bei den Kartensammlern und den Heimatpflegern sehr hoch im Kurs und sind besonders begehrt und sammelwürdig. Bei raren Exponaten oder Unikaten kommt es daher schon einmal vor, dass eine einzelne Karte auch einen hohen zweistelligen Verkaufspreis an den Börsen und Auktionen übersteigt.
Bei der Philokartie sind die Karten selbst, bei den Philatelisten darüber hinaus auch der postalisch dokumentierten Versand von äußerstem Interesse. Briefmarke, Aufgabe- und Ankunftsstempel sind heute für die Aufarbeitung der regionalen Postgeschichte ein wesentlicher Bestandteil. Heute können ein Teil der historischen Postexpeditionen, Postagenturen und Postämter und deren Wirkungszeit fast nur noch an Hand von alten Stempelabschlägen ermittelt und nachgewiesen werden. Für einen Philatelisten ist es wichtig die amtlichen Stempel und deren Verwendungszeiträume zu kennen, um einen exakten Wert von Dokumenten bestimmen zu können. In den 15 Gemeinden der Stadt Porta Westfalica gab es neben den Postagenturen und dem Postamt in Hausberge auch noch zahlreiche Posthilf- und Posthülfstellen. Es war damals nicht ungewöhnlich, dass die bestellten Fachkräfte ihre postalischen Leistungen in den Räumen des eigenen Hauses durchgeführten. In den Posthülf- und den Posthilfstellen wurden die eingelieferten Briefe und Postkarten mit einem eigenem Posthülf- oder Posthilfstempel versehen. Den offiziellen Aufgabestempel mit Datum bekamen die Lieferungen erst, als die gesammelten Belege am Ende des Tages in den zuständigen Postämtern weiterbearbeitet wurden.
Alte Stempelabschläge, die man heute noch auf Briefen, Postkarten und Paketkarten aber auch auf Postscheckbüchern oder Posteinlieferungsheften finden kann, helfen dabei für mehr Klarheit zu sorgen. An Hand dieser Stempel können die tatsächlichen Verwendungszeiträume der jeweiligen Poststelle nachgewiesen werden.
Ab der Gebietsreform 1973 wurden die alten Gemeindebezeichnungen durch den neuen Stadtnamen ersetzt. Die 15 Gemeinden der Stadt Porta Westfalica erhielten folgende Ordnungszahl zugewiesen:
PostamtOrtPostamtOrt
Porta Westfalica 1HausbergePorta Westfalica 9 Costedt oder Wülpke
Porta Westfalica 2BarkhausenPorta Westfalica 10 Costedt oder Wülpke
Porta Westfalica 3NammenPorta Westfalica 11Eisbergen
Porta Westfalica 4KleinenbremenPorta Westfalica 12Lohfeld
Porta Westfalica 5VeltheimPorta Westfalica 13Möllbergen
Porta Westfalica 6HolzhausenPorta Westfalica 14Holtrup
Porta Westfalica 7NeesenPorta Westfalica 15Vennebeck
Porta Westfalica 8Lerbeck
Die Zuordnung der Nummern 9 + 10 für Wülpke und Costedt ist derzeit nicht bekannt, weil bisher noch kein Stempelabschlag vorlag.
Eine lückenlose Dokumentation von allen Poststellen, die es beim Amt Hausberge und in dem Bereich der heutigen Stadt Porta Westfalica gegeben hat, gibt es leider nicht mehr, da mit der Privatisierung des Postwesens fast sämtliche Dokumente vernichtet wurden.
Für die heimatliche Aufarbeitung des Postwesen aber auch für die Philatelie und Philokartie ist man stets auf der Suche nach Briefen, Ansichtskarten und Stempeln aus Porta Westfalica.
Wenn Sie noch im Besitz von Stempeln aus den Portaner Gemeinden sind oder noch Freistempel von Portaner Firmen besitzen, können Sie gern dazu beitragen, die derzeit noch lückenhafte Dokumentation zu vervollständigen. Wenn sie darüber hinaus noch weitere Informationen haben, wann eine Poststelle eröffnet und wann sie wieder geschlossen wurde, wären diese Informationen sehr wertvoll.
Sie können mir Ihre Unterlagen gern per Mail senden oder mich anrufen. Gern hole ich die Unterlagen ab, die Sie nach dem Scan unversehrt zurückerhalten. 
Über eine Mail von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
Mail an Bernd Möller