Bernd Möller

Berghotel Wittekindsburg 

Werdegang der Gastronomie an der Wittekindsburg

Bereits früh im 19. Jahrhundert war der Wittekindsberg ein beliebter und belebter Ort als je zuvor. Anziehungspunkt war die Margarethenkapelle auf dem Areal der Fliehburg „Wittekindsburg“. In seinem Buch „ Der Wittekindsberg bei Minden als „heilige Stätte“ spricht Prof. Heinrich Rüthing vom „Ort bürgerlicher Geselligkeit“.
Das Gelände der Wittekindsburg und damit auch die Margarethenkapelle ging 1815 vom Mindener Domkapitel an die staatlich-preußische Forstverwaltung über. Einerseits wollte man die Kapelle für jedermann zugänglich machen, auf der anderen Seite hatte man dafür zu sorgen, dass das Gebäude erhalten bleibt und nicht zu unwürdigen Zwecken benutzt wird.
Auf Anregung des Regierungspräsidenten sollte bereits 1829 überlegt werden, ob nicht mit der Einrichtung einer „Wirthschaft“ an diesem geschichtlich berühmten Ort den Besuchern sowohl Obhut als auch eine Erfrischung gewährt werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt genoss die Kapelle keinerlei religiösen Schutz mehr. Ab 1838 wurde dann in den Sommermonaten eine Restauration in der Kapelle eingerichtet.
Später besann sich die Regierung der geschichtlichen und religiösen Bedeutung des Gebäudes und verbann den Restaurationsbetrieb wieder aus der Kapelle. 1842 wurde die Margarethen-Klus umfangreich saniert und wurde fortan nicht wieder für eine Restauration genutzt. Zur Wiedereröffnung nach der Sanierung besucht König Fr. Wilhelm IV mit seiner Gemahlin den Wittekindsberg. In deren Beisein wurde u.a. auch die Königslinde in unmittelbare Nähe zur Kapelle gepflanzt. 
Gastronomische Angebote wurden nach dieser Zeit mit schnell auf- und abzubauenden Bretterhäuschen bereitgestellt. Der von zahlreichen Musikvereinen gegründeter „Bund der vereinten norddeutschen Liedertafeln“ hatte sein zweites Sängerfest auf dem Wittekindsberg gefeiert. Das „Mindener Sonntagsblatt“ berichtete am 13. Juli 1834 ausführlich über dieses Fest. Ein weiteres Sängerfest fand 1842 erneut vor zahlreichen Zuhörern auf der Margarethenwiese statt.
Direkt an der Margarethenwiese gelegen, steht der Tanz-Ahorn, der nach Übermittlungen dafür genutzt wurde, dass oben auf dem abzweigenden Ast eine Kapelle Platz gefunden und die anwesenden Gäste rund um die Kluswiese musikalisch unterhalten hatte.
Das erste dauerhaft feste Restaurationsgebäude wurde 1881 direkt am Kammweg in unmittelbarer Nähe zur Margarethen-Klus errichtet. Nachdem der damalige Pächter des Restaurationsbetriebes Franz Klocke 1888 mit seinem Antrag scheiterte, die Margarethenklus für musikalische Veranstaltungen nutzen zu dürfen, wurde noch im gleichen Jahr ein größerer Saal an das Gebäude angebaut, um dem rasant wachsenden Besuchermengen ein angemessenes Angebot auf dem Wittekindsberg bieten zu können.
Herr Klocke hat in seinem Restaurationsbetrieb auch eine Posthülfstelle mit der Bezeichnung „Margarethenklus“ betrieben, in der Ansichtskarten und Briefe der Gäste einen eigenen Stempel erhielten, bevor sie am Ende des Tages gesammelt zum Postschalter gebracht wurden. Diese Posthülfstelle wurde danach in dem Neubau des Berghotel weiterbetrieben.

 

Ab 1891 fand hier oben auf der Kluswiese das erste Wittekindsbergfest statt. Bis zum Jahre 2000 gab es insgesamt 109 Auflagen dieses Ereignisses. Auf Grund von Umweltauflagen durfte das Sportfest ab 1966 aber nicht mehr auf dem Wittekindsberg sondern wurde danach überwiegend auf dem Hausberger Bergsportplatz durchgeführt. In den 50-er Jahren, der Spitzenzeit des Wittekindsbergfestes, konnten über 1.000 Athleten auf dem Wittekindsberg gezählt werden, die von der gleichen Anzahl von Besuchern begeistert angefeuert wurden.
Bereits 6 Monate nach Beginn der Bautätigkeiten für das Kaiser Wilhelm Denkmal bekam die Aktiengesellschaft Porta Westfalica die Genehmigung nach ihrem Hotel Kaiserhof ein weiteres Gebäude im bzw. auf dem Wittekindsberg zu errichten. Das Berghotel Wittekindsburg ersetzte das viel zu klein gewordenen Gebäudes von Herrn Klocke. Das Barkhauser Bauunternehmen Kochbeck & Kuhlmann stellte das Gebäude bereits nach nur 11 Monaten Bauzeit fertig, sodass es im April 1894 eröffnet werden konnte.
Nach Abnahme des Gebäudes hat die Bauherrin, die Aktiengesellschaft Porta Westfalica, das Gebäude an den Forstfiskus übereignet und war fortan nur Pächter des Gebäudes, was sich dann aber in einem sehr geringen Pachtzins wiederspiegeln sollte. Herr Nolting zahlte ca. drei Jahre zuvor schon 7.000 Mark Pachtzins für seinen Kaiserhof. Da schien der 1893 vertraglich vereinbarte Pachtzins in Höhe von 12 Mark für Herrn Nolting, der auch erster Pächter des Berghotels Wittekindsburg war, auf den ersten Blick fast geschenkt. Der Pächter wurde aber zusätzlich zum Berghotel dazu verpflichtet, das gesamte Areal einschließlich Margarethenkapelle, Wittekindsquelle mit Teich und sämtliche Außenflächen gereinigt und instand zu halten.
Neben der bisher schon vorhandenen Außengastronomie, war es nun erstmals möglich auf dem Wittekindsberg zu übernachten und sich dabei gastronomisch verwöhnen zu lassen. Mit einem großen Saal ist auch die Möglichkeit geschaffen worden, größere kulturelle und musikalische Angebote dem zahlreichen Publikum wetterunabhängig anbieten zu können. Aber auch die Fertigstellung des Denkmals 1896 sorgte dafür, dass der Besucherandrang an der Wittekindsburg ständig größer wurde.
Nach der Eröffnung bis nach dem 2. Weltkrieg gab es insgesamt 8 verschiedene Pächter, die das gastronomische Angebot auf dem Wittekindsberg aufrecht erhalten haben. Ende der 50-er Jahre verkaufte die damalige Forstverwaltung das Gebäude des Berghotels Wittekindsburg an eine Privatperson. Herr Depping hat das in die Jahre gekommene Gebäude anschließend von Grund auf saniert und es dabei einem zeitgemäßen Standard eines Hotels und einer Außengastronomie angepasst.
So wurde eine neue Wasserversorgung dringend erforderlich, da die ursprüngliche Versorgung über die Wittekindsquelle 1937 wegen Bergbauarbeiten nicht mehr möglich war. Auch wurde das Gebäude mit einer eigenen Stromversorgung versehen. Die Hotelzimmer wurden mit Badezimmern ausgestattet. Die Fassade und das Dach wurden saniert und die einfachen Fenster wurden gegen Thermopanefenster ausgetauscht. Eine Zentralheizung wurde eingebaut und alle Zimmer erhielten Heizkörper. 10 Jahre später wurde noch ein weiteres Gebäude in unmittelbarer Nähe errichtet, das ausschließlich als Erweiterung der vorhandenen Hotelzimmer im Berghotel vorgesehen war. 
Nachdem Herr Depping Anfang der 70-er verstorben ist, wurde das Haus an die Familie Deerberg verkauft, die zu dieser Zeit bereits die Gaststätte am Denkmalsparkplatz betrieben haben. Als zukünftige Pächter haben die Familien De Bernardy, Gärtner und Wohlgemuth das Berghotel bewirtschaftet, bevor es Herr Spier 1985 erworben und 30 Jahre lang in Eigenregie betrieben hat.
Anfang der 80-er Jahre genehmigte der Kreis Minden eine Absprungschanze für Drachenflieger auf der Südseite des Wittekindsberges und sorgte damit für eine weitere Attraktivität auf dem Wittekindsberg.
Seit 2015 gehört das Gebäude nun dem Verein Witthüs e.V., der sich zum Ziel gesetzt, das Ensemble im Ehrenamt wieder in den Glanz der alten Zeiten zu bringen. Die Außengastronomie wurde verschönert. Das gesamte Erdgeschoss ist unter Beachtung der Denkmalschutzauflagen modernisiert worden. Verschieden große Räumlichkeiten können nun für unterschiedliche Veranstaltung angemietet werden.
Die Übernachtungsmöglichkeiten des Hotels sollen wieder aktiviert werden, jedoch bedarf es noch weiterer Anstrengungen durch den Verein, bis die ersten Hotelgäste im Turmzimmer oder den anderen Betten des Hauses eine Nacht verbringen können.
Zum Witthüs e.V.

Zeitsprünge

Berghotel Wittekindsburg

18961910
19401977
19902017
20002016

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